Altersvorsorge für Selbstständige

Selbstständige in den gesetzlichen Versorgungssystemen

Während für Arbeitnehmer die gesetzliche Rentenversicherung eine wichtige Vorsorge der Alterssicherung ist, spielt diese für Selbstständige kaum eine dominierende Rolle.

 

Für einige Selbstständige sieht die gesetzliche Rentenversicherung eine befristete oder dauerhafte Pflichtmitgliedschaft vor.

 

Den meisten Selbstständigen steht es jedoch frei, ihr als freiwilliges Beitragsmitglied anzugehören.

 

Selbstständige bestimmter Berufsgruppen gehören als Pflichtmitglieder einem öffentlich-rechtlichen berufsständischen Versorgungswerk an und sind dadurch von der gesetzlichen Rentenversicherung befreit.

Berufsständische Versorgungswerke

Für Selbstständige, die als Ärzte, Apotheker, Architekten, Notare, Rechtsanwälte, Steuerberater, Steuerbevollmächtigte, Tierärzte, Wirtschaftsprüfer und vereidigte Buchprüfer, Zahnärzte, Psychotherapeuten sowie Ingenieure in verkammerten Berufen tätig sind, ist das jeweilige berufsständische Versorgungswerk für die Alterssicherung zuständig.

 

Hier sind diese Personen mit Leistungen für das Alter und bei Berufsunfähigkeit versichert.

 

Jedoch sind hier wie auch in der gesetzlichen Rentenversicherung Versorgungsdefizite und Lücken, auf diese geachtet werden und privat vorgesorgt werden muss.

 

In der Ausgestaltung der Leistungen sind die jeweiligen berufsständischen Versorgungswerke autonom.

 

Jede hat eigene Satzungen und die Leistungen differieren von Kammer zu Kammer.

 

Im Allgemeinen liegen die Leistungen aus berufsständischen Versorgungswerken oberhalb der Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherung.


Angebot der gesetzlichen Rentenversicherung an Selbstständige

Selbstständige, die keinem der berufsständischen Versorgungswerke angehören, steht die Möglichkeit offen, innerhalb von fünf Jahren nach Aufnahme der selbstständigen Tätigkeit die Pflichtmitgliedschaft in der gesetzlichen Rentenversicherung zu beantragen.

 

Wer die Pflichtversicherung beantragt, bindet sich auf Dauer an das Problem der Sozialversicherung, deren Beitrags- und Leistungskontinuität in Frage steht.

Versicherungspflichtige Selbstständige

Lehrer und Erzieher

Zu den versicherungspflichtigen Selbstständigen gehören selbstständig tätige Lehrer und Erzieher.

 

Neben Erziehern in Kindergärten oder Horten sind auch Tagesmütter versicherungspflichtig.

 

Zu der Bezeichnung der Lehrer gehören auch Fahrlehrer, Reit-, Ski-, Golf- oder Tennislehrer.

 

Für Ballett-, Musik- oder Gesanglehrer besteht hingegen Versicherungspflicht nach dem Künstlersozialversicherungsgesetz.

 

Pflegepersonen

Versicherungspflichtig sind selbstständig tätige Personen in der Kranken-, Wochen-, Säuglings- oder Kinderpflege, die auf ärztliche Anordnung tätig sind.

 

Dazu gehören auch medizinische Bademeister, Masseure, Krankengymnasten, Ergotherapeuten und Physiotherapeuten.

 

Sportmasseure sind dagegen nicht versicherungspflichtig.

 

Auch Heilpraktiker, Logopäden und Psychotherapeuten sind nicht versicherungspflichtig, sowie auch selbstständige Altenpfleger, die überwiegend gesunde und nur wegen ihres Alters pflegebedürftige Personen betreuen.

 

Für selbstständig tätige Lehrer als auch für die in der Pflege tätigen Selbstständigen gilt die Versicherungspflicht, solange sie keine versicherungspflichtigen Arbeitnehmer beschäftigen.

 

Hebammen, Entbindungspfleger, Hausgewerbetreibende, Seelotsen und Küstenschiffer

Versicherungspflichtig sind selbstständig tätige Hebammen und Entbindungspfleger.

 

Auch dann, wenn sie einen versicherungspflichtigen Arbeitnehmer beschäftigen.

 

Seelotsen, Küstenschiffer und Küstenfischer mit nicht mehr als vier versicherungspflichtigen Arbeitnehmern sind auch versicherungspflichtig.

 

Hausgewerbetreibende sind versicherungspflichtig, wenn sie in eigener Arbeitsstätte (z.B. bei Näherinnen) im Auftrag und für Rechnung von anderen Gewerbetreibenden (auch für Kommunen und öffentlichen Institutionen) arbeiten, da der Auftraggeber das unternehmerische Risiko trägt.

 

Ab einer Beschäftigung von drei Arbeitnehmern entfällt die Versicherungspflicht.

 

Selbstständige mit einem Auftraggeber

Pflichtversichert sind Selbstständige, die auf Dauer und im Wesentlichen nur für einen Auftraggeber tätig sind und keinen versicherungspflichtigen Arbeitnehmer regelmäßig beschäftigen.

 

Sie können sich auf Antrag in den ersten drei Jahren der Selbstständigkeit von der Versicherungspflicht befreien.

 

Handwerker

Handwerksmeister, die einen zulassungspflichtigen Betrieb nach der Handwerksordnung Anlage A führen, sind rentenversicherungspflichtig.

 

Die Versicherungspflicht endet auf Antrag des Handwerkers auf Befreiung, frühestens jedoch nach 18 Pflichtbeitragsjahren.

 

Nicht rentenversicherungspflichtig sind Inhaber in der Handwerksordnung B1 aufgeführten zulassungsfreien Handwerke und die Selbstständigen, die ein in der Handwerksordnung B2 aufgeführtes handwerksähnliches Gewerbe wie z.B. Hausmeisterservice oder Bodenleger, betreiben.

 

Zulassungsfreie Handwerke B1 (in alphabetischer Reihenfolge):

  • Behälter- und Apparatebauer
  • Betonstein- und Terrazzohersteller
  • Bogenmacher
  • Böttcher
  • Brauer
  • Buchbinder
  • Drechsler und Holzspielzeugmacher
  • Drucker
  • Edelsteinschleifer
  • Estrichleger
  • Feinoptiker
  • Flexografen
  • Fliesen-, Platten- und Mosaikleger
  • Fotografen
  • Galvaniseure
  • Gebäudereiniger
  • Geigenbauer
  • Glas- und Porzellanmaler
  • Glasveredeler
  • Gold- und Silberschmiede
  • Graveure
  • Holzbildhauer
  • Holzblasinstrumentenmacher
  • Keramiker
  • Klavierbauer
  • Korb- und Flechtwerkgestalter
  • Kürschner
  • Lichtreklamehersteller
  • Maßschneider
  • Metall- und Glockengießer
  • Metallbildner
  • Metallblasinstrumentenmacher
  • Modellbauer
  • Modisten
  • Müller
  • Orgelbauer
  • Parkettleger
  • Raumausstatter
  • Rollladen-/Sonnenschutztechniker
  • Sattler
  • Schilderhersteller
  • Schneidwerkzeugmacher
  • Schumacher
  • Segelmacher
  • Siebdrucker
  • Textilgestalter
  • Textilreiniger
  • Uhrmacher
  • Vergolder
  • Wachszieher
  • Weinküfer
  • Zupfinstrumentenmacher

Pflichtversicherte müssen jeden Monat der selbstständigen Tätigkeit Beiträge zahlen und haben Beitragserhöhungen und Rentenänderungen in Kauf zu nehmen, ohne dass sie die Versicherung widerrufen können.

 

Im Gegensatz zu einem Arbeitnehmer, der die Hälfte des Beitrags zur gesetzlichen Rentenversicherung von seinem Arbeitgeber erhält, müssen pflichtversicherte Selbstständige den vollen Beitrag selbst bezahlen.

 

Früher mussten pflichtversicherte Selbstständige ihr Einkommen offenlegen, um weniger als den Höchstbeitrag zahlen zu können.

 

Seit 1992 begnügt sich der Rentenversicherungsträger mit dem Regelbeitrag.

Halber Regelbeitrag

In den Anfangsjahren der Selbstständigkeit dürfen Selbstständige bis zum Ablauf von drei Kalenderjahren nach Aufnahme der selbstständigen Tätigkeit den halben Regelbeitrag zahlen.

 

Während dieser Zeit ist der Selbstständige auch nur mit der halben Bezugsgröße rentenversichert.

Beitragszahlung nach Einkommen

Pflichtversicherte Selbstständige können auf Antrag bei Nachweis eines niedrigeren oder höheren Arbeitseinkommens anstelle des Regelbeitrags bzw. des halben Regelbeitrags einen niedrigeren oder höheren Beitrag entsprechend ihres Arbeitseinkommens zahlen.

 

Höchstens ist ein Beitrag aus einem Arbeitseinkommen bis zur Beitragsbemessungsgrenze der Deutschen Rentenversicherung zu zahlen.

 

Die Beitragsbemessungsgrenze wird jedes Jahr entsprechend der Entwicklung der Durchschnittsentgelte der Arbeitnehmer angepasst.

Freiwillig versicherte Selbstständige

Nahezu fast alle der Selbstständigen waren vor ihrer Selbstständigkeit als Arbeitnehmer beschäftigt und von daher in dieser Zeit pflichtversichert.

 

Mit der Selbstständigkeit hörte für viel die Pflichtmitgliedschaft in der gesetzlichen Rentenversicherung auf.

 

Die meisten stellten zugleich auch die Beitragszahlung ein.

 

Auch selbstständige Handwerker können wie bereits erwähnt sich nach 18 Pflichtbeitragsjahren von der gesetzlichen Rentenversicherung befreien lassen und somit die Beitragszahlung auch beenden.

 

Sind sie von der Pflichtversicherung befreit, bietet ihnen die Deutsche Rentenversicherung an, freiwillig Beiträge einzuzahlen.

 

Dies kann sich lohnen, wenn zum Beispiel die 5-jährige Wartezeit als Voraussetzung für eine Altersrente noch nicht erfüllt wurde und man sich durch bereits gezahlte Beiträge oder Ansprüche aufgrund von Kindererziehungszeiten diese sichern möchte.

 

Der freiwillig Versicherte kann jederzeit die Beitragszahlung beginnen, unterbrechen und nach Blieben fortsetzen oder beenden.

 

Im Gegensatz zum Pflichtversicherten unterliegt der freiwillig Versicherte keinem Beitragszwang.

 

Wenn man als freiwillig Versicherter Rentenversicherungsbeiträge zahlen wollen würde, kann man die Anzahl und Höhe der Beiträge frei wählen.

 

Wer keine Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung zahlt, braucht auch keinen Verlust zu befürchten.

 

Das bisher erreichte bleibt auch ohne weitere Beitragszahlung erhalten.

 

Einzige Voraussetzung ist, dass man zum Rentenbeginn eine 5-jährige Versicherungszeit nachweisen kann.

Anspruch auf Erwerbsminderungsrente nur für Pflichtversicherte

Einen Anspruch auf Erwerbsminderungsrente hat man nur, wenn man die Wartezeit von 5 Versicherungsjahren erfüllt hat und man in den letzten 60 Monaten vor Eintritt der Erwerbsminderung mindestens 36 Monate Pflichtbeiträge gezahlt hat.

 

Die hohe Zahl der Frühverrentungen wegen Erwerbsminderung belastet seit vielen Jahren die Rentenkasse.

 

Deshalb hat der Gesetzgeber durch das Rentenspargesetz im Jahr 1984 freiwillig Versicherte diesen wichtigen Schutz entzogen.

 

Mit der Reform der Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit von 2001 wurden die Anspruchsvoraussetzungen für Erwerbsminderungsrenten nochmals drastisch verschärft und die Leistungen verschlechtert, um somit einen Rückgang der Rentenzugänge zu erreichen.

Renten bei verminderter Erwerbsfähigkeit

Vor Inkrafttreten des Gesetzes gab es für einen berufsunfähigen Versicherten die Berufsunfähigkeitsrente und für einen erwerbsunfähigen Versicherten die Erwerbsunfähigkeitsrente.

 

Beide Renten wurden aus dem Leistungskatalog der gesetzlichen Rentenversicherung gestrichen und durch eine zweistufige Erwerbsminderungsrente ersetzt:

  • volle Erwerbsminderungsrente, wenn man nur noch unter drei Stunden täglich erwerbstätig sein kann
  • halbe Erwerbsminderungsrente, wenn man nur noch zwischen drei und unter sechs Stunden täglich erwerbstätig sein kann

Bei der Beurteilung der Erwerbsminderung wird nicht, wie bei der abgeschafften Berufsunfähigkeitsrente geprüft, inwieweit der Versicherte im Stande ist, eine andere gleichwertige Tätigkeit auszuüben, die seiner Ausbildung und seinen Fähigkeiten entspricht.

 

Es wird ausschließlich geprüft, ob man wegen Krankheit oder Behinderung nicht imstande ist, auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt eine festgelegte Zahl von Stunden, in irgendeiner Beschäftigung tätig zu sein.

 

Die Minderung der Erwerbsfähigkeit orientiert sich nicht mehr an dem ausgeübten Beruf.

 

Nur für Versicherte die vor dem 2.1.1961 geboren worden sind, bleibt es beim Berufsschutz.

 

Sie erhalten die halbe Erwerbsminderungsrente wenn sie berufsunfähig sind, also ihre oder eine andere gleichwertige Tätigkeit nur noch zwischen drei und unter sechs Stunden ausüben können.

 

Für sie gibt es die Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung bei Berufsunfähigkeit.

Höhe der Erwerbsminderungsrente

Ein weiterer Einschnitt betrifft die Höhe der Erwerbsminderungsrente.

 

Mit dem Reformgesetz aus 2001 wurden erstmals Abschläge auch für Renten wegen Erwerbsminderung eingeführt.

 

Für jeden Kalendermonat, für den die Erwerbsminderungsrente vor Vollendung des 63. Lebensjahres in Anspruch genommen wird, verringert sich die Altersrente um 0,3%.

 

Bis 2024 wird stufenweise bis zum 65. Lebensjahr angehoben.

 

Begrenzt ist die Kürzung auf 10,8%.

 

Wenn man als pflichtversicherter Selbstständiger in der gesetzlichen Rentenversicherung versichert ist, erwartet man aufgrund der Beitragszahlung zu Recht eine Rente, die einen im Falle einer Erwerbsunfähigkeit ein Leben in Armut erspart.

 

Sollte man wegen einer Krankheit oder eines Unfalls nicht mehr in der Lage sein am Erwerbsleben teilzunehmen, wird die Rente nach den geleisteten Beiträgen und der Zurechnungszeit ermittelt.

 

Was dann herauskommt, liegt häufig an der Armutsgrenze.

 

Die durchschnittliche gezahlte Erwerbsminderungsrente liegt bei ca. 700 € im Monat.

Berufsunfähigkeitsschutz von privaten Versicherern

Private Versicherer bieten Selbstständigen Schutz bei Erwerbsminderung durch monatliche Rentenzahlung in der vereinbarten Höhe.

 

Die meisten Gesellschaften zahlen nicht nur bei Erwerbsminderung im Sinne der gesetzlichen Rentenversicherung, sondern auch bei Berufsunfähigkeit.

 

Eine private Berufsunfähigkeitsrente wird in voller Höhe gezahlt, wenn man als Selbstständiger seinen Beruf oder eine andere gleichwertige, seinem sozialen Status entsprechende Tätigkeit, zu mehr als die Hälfte der regelmäßigen Arbeitszeit nicht ausüben kann.

 

Man hat die Möglichkeit, eine private Berufsunfähigkeitsvorsorge separat als Risikoschutz oder in Verbindung mit einer Altersvorsorge, auch einer steuerlich abzugsfähigen Vorsorge, zu beantragen.

Kontakt

EMH Marketing GbR

Türlensteg 37

73525 Schwäbisch Gmünd

Deutschland

Mail: info@bonusprogramme.de

Über bonusprogramme.de

bonusprogramme.de ist eine eingetragene Marke beim Deutschen Patent- und Markenamt und dient branchenunabhängig als digitale Online- Beratungs-, Informations-, Vertriebs-, Marketing- und Service-Plattform für Unternehmen und deren Mitarbeiter. Damit von allen individuellen Vorteilen kontinuierlich profitiert werden kann, werden die entsprechenden Bonusprogramme nicht statisch aufgebaut, sondern durch Optimierungen regelmäßig aktualisiert und weiterentwickelt.


Logo bonusprogramme.de